Auftaktveranstaltung am 16. November 2017

Lust machen zum Mitmachen

Die Auftaktveranstaltung der Ayinger Klima- und Energie-Initiative 29++ am 16. November 2017 war ein voller Erfolg: informativ und unterhaltsam. Für letzteres gilt der Dank vor allem der Unterbiberger Hofmusik, die – eben aus Ägypten zurückgekehrt – mit einer bunten Mixtur aus bayerisch/ arabisch/türkischer Blasmusik den etwa 90 Personen im Schalander der Ayinger Brauerei kräftig einheizte.

Unterhaltsam, informativ aber vor allem berührend waren die Fotos, die die Aktiven der Klimainitiative auf die Leinwand projezierten: Bilder von intakten bayerischen Landschaften, von Sonnenuntergängen, von Blumen, auf denen Schmetterling, Bienen, Hummeln und Insekten zu sehen waren – deren Population lt. aktuellen Berichten in den letzten Jahren ja um bedrohliche 75 % zurückgegangen ist.

Bürgermeister Hans Eichler eröffnete den Abend mit der Anmerkung, dass er als Biobauer tagtäglich miterleben muss, wie die Klimaveränderung sich bereits jetzt auf die Landwirtschaft auswirkt. Er kam dann auch ökologisch korrekt zwar nicht mit dem Radl aber mit einem Elektroauto zur Veranstaltung und kündigte an, dass es sehr bald im Ort eine vom Landkreis geförderte E-Tankstelle geben wird.

Verkehr, nicht zuletzt der bessere Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, und hier konkret der Linie S7, war denn auch ein Aspekt den Landrat Christoph Göbel hervorhob. Ihm ist es übrigens zu verdanken, dass es die Landkreis-Klimainitiative 29++ überhaupt gibt. Und er war sichtlich erfreut darüber, dass Aying als erste der 29 Kommunen im Landkreis aktiv geworden ist. Göbel will, dass wir künftig CO2 auf den Pro-Kopf-Verbrauch herunterbrechen: bis zum Jahr 2030 sollen es maximal noch 5,7 Tonnen pro Einwohner und Jahr sein. Das wäre eine Reduzierung immerhin um die Hälfte!

Wie Dinge zusammenhängen

Landrat Göbel gelang es, den großen Bogen zu schlagen indem er zum einen auf die Ursachen der Klimaveränderung einging und zum anderen die bereits sichtbaren Folgen von Dürren, Unwettern und Starkregen benannte: z. B. die weltweiten Fluchtbewegungen. Auf diese Thematik ging auch der Gastredner, der Psychiater Dr. Andreas Meißner, ein, indem er sich auf einen aktuellen Bericht des Bundesnachrichtendienstes bezog. Darin heißt es, dass zur Zeit weit mehr als eine Milliarde Menschen, Umweltflüchtlinge und Opfer von Unterernährung, einen rationalen Grund hätten, sich auf den Weg zu machen: und zwar u. a. zu uns!

Kernpunkt war dann die Frage, warum wir nicht das tun, was wir eigentlich tun müssten, um die große Katastrophe zu verhindern? Warum handeln wir nicht entsprechend unserem Wissen? Denn auf Nichtwissen kann sich heute niemand mehr herausreden! So haben die Stellwände mit Berichten über Stürme und Starkregen, über verwüstete Felder und Wälder in Bayern, Schwaben, in der Schweiz, Brandenburg und weltweit Besucher*innen während der Musik auch immer wieder zu Diskussionen inspiriert.

Laut Meißner entzieht sich der Klimawandel aber unserer Wahrnehmung. Er vollzieht sich schleichend, stinkt nicht, ist komplexer Natur und außerdem sind wir alle durch unsere Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten daran beteiligt. Zum anderen sind wir von der Evolution für die Abschätzung immer komplexer und unüberschaubar werdender Gefahren nicht ausgestattet. Unser Gehirn kann nichtlineare Entwicklungen, z. B. das exponentielle Wachstum, nicht erfassen. Es ist fast unmöglich für uns, zu begreifen, warum vieles, was als Problemlösung gedacht war, z. B. das Auto, die Probleme überhaupt erst schafft und dann in riesigem Tempo auch noch exponentiell verschärft.

Viele Menschen, so berichtet Meißner aus seiner therapeutischen Praxis, fühlen sich angesichts der Klimakrise ohnmächtig und gelähmt. Die Depressionen nehmen zu. Auch der Stress im durchgetakteten Alltag spielt eine große Rolle: wir fühlen uns überfordert, haben keinen Nerv mehr für das große Ganze, suchen den bequemsten Weg.

Wege und Auswege

Das ermutigende Fazit: wir sind den sich vollziehenden Entwicklungen nicht ausgeliefert. Alleine schon, sich mit Anderen über diese Sorgen auszutauschen, kann Energien zu aktivem Handeln wecken. In kleineren Kommunen, wie beispielsweise Aying, lässt sich außerdem leichter etwas bewegen als in Großstädten, sind wir doch evolutionär geprägt vom Leben in Kleingruppen. Und so fordert Meißner zu Austausch und Handeln in der Gruppe auf. Die Schritte dabei sollten konkret und überschaubar sein: denn nicht der Einzelne oder eine Kommune kann die Welt retten – aber in Verantwortung einen Beitrag leisten, allein schon der eigenen Würde wegen sowie in Fürsorge für künftige Generationen. Zum aktiv werden in Gruppen luden dann Norbert Steigenberger, Paul Vorsatz und Volker Hessel, der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Aying, ein, stellten die Mitmach-Projekte vor, die bisher schon in der Klimaschutziniative entwickelt worden sind: Energie, Mobilität, Konsum (s. oben auf unserer Homepage)

Gemeinderätin Christine Squarra die sachkundig und engagiert durch den Abend führte, machte dann auch immer wieder klar, dass nicht unbedingt Expert*innen zum Mitmachen gesucht werden, sondern vor allem Leute, die Lust haben, etwas zu tun: ob in einem der drei vorgestellten Projekte, einem neuen Projekt, bei der Organisation oder beim Flyer-Austragen. In die Mitmach-Listen haben sich dann immerhin 20 Personen eingetragen!

Ein großes Lob für die interessante Veranstaltung erntete die Ayinger Klimaschutzinitiative zum Schluss dann noch von Repräsentant*innen des Landratsamtes München: z. B. von Robert Fröschl, dem Sachgebietsleiter Tiefbau, Energie und Mobilität und von Evelyn Reisner vom Sachgebiet Energie und Klimaschutz. Sie ist Ansprechpartnerin zum Thema Umweltbildung für Kinder und Jugendliche. In einer eigenen Netzwerkgruppe werden Ideen für Gemeinden, vor allem aber für Schulen entwickelt. Eine Vernetzung mit der Helfendorfer Grundschule hat bereits stattgefunden